Spreewaldkrimi IV: Eine tödliche Legende

TV-Movie für ZDF im Auftrag der MONACO FILM

PREMIERE

FESTIVAL DES DEUTSCHEN FILMS 2012 in Ludwigshafen

Erstausstrahlung im ZDF

01. Oktober 2012 als "Fernsehfilm der Woche"

Regie

Torsten C. Fischer

Kamera

Theo Bierkens

Produktion

Wolfgang Esser / Monaco Film

Redaktion

Pit Rampelt

mit

Christian Redl, Rolf Hoppe, Thorsten Merten, Ulrike Krumbiegel, Hermann Beyer, André Hennicke, Muriel Baumeister, Maria Mägdefrau, Ludwig Blochberger, Rüdiger Vogler, Hans-Jochen Wagner, Claudia Geisler, Rike Schäffer, Fritz Roth, Stephanie Poljakoff, Rainer Reiners, Christoph Zrenner, Claudia Funke, Hans-Jürgen Alf, Ines Maria Westernstöer

Im Schutz der dunklen Fliesse / Da schläft das Wendenheer
Es wartet auf den König / Auf seine Wiederkehr
Der König lebt verborgen / Wohl über tausend Jahr
Unter seinen Bauern / Den Treusten seiner Schar
So geht es all die Jahre / Vom Vater auf den Sohn
Aus seiner Hand das Zepter / Die Brücke und die Kron'
Und wenn der Tag gekommen / Dann tritt er an das Licht
Sein Volk wird ihn erkennen / Dann hält er Blutgericht
Oh komm' nur bald, du König / Oh komm' nur möglichst gleich
Komme zu errichten / Das stolze Wendenreich."

Komponist: Fabian Römer, Schnitt: Benjamin Hembus, Produktionsleitung: Hartmut Damberg, ZDF Produktionsmanagement: Donald Jenichen, Oberbeleuchter: Matthias Kasten, Szenenbildner: Thilo Mengler, Ton: Horst Zinsmeister, Kostüm: Petra Fichtner, Maske: Kitty Kratschke, Kathi Kullack, Producerin: Daniela Zentner, Herstellungsleitung: Uwe Wriedt, Filmgeschäftsführung: Denis Reuter, Aufnahmeleitung: Lena Reuter, Set: Kerstin Dressler, Regie-Ass.: Lilly Hagemann, Script/Continuity: Sandra Pöggel, Kamera-Ass.: Dariusz Brunzel, Ton-Ass.: Falk Warnke, Bestboy: Martin Beyrau, Beleuchter: Carsten Strack, Kamerabühne: Kaus Witt, Locationscout: Thomas Prommersberger, Aussenrequisite: Sebastian Wurm, Innenrequisite: Stefan "Pepe" Baumgärtner, VFX: Exozet Effects GmbH, Kostümbildass.: Anastasia Danilow, Garderobe: Marlen Iffland, Iris Weber-Auvray, Casting: Uwe Bünker Casting, Catering: Faun Caterin, Presse: Dr. Birgit-Nicole Krebs

 

PRESSE

TV SPIELFILM, TIPP DES TAGES: WALD, LEGENDEN, MYTHEN - EINE DÜSTERE KRIMIBALLADE...
Beachtlich, wie elegant Regisseur Torsten C. Fischer und Drehbuchautor Kirchner mehrere Erzählebenen ineinanderblenden, um von Märchen, Mythen und Mauscheleien zur Wendezeit zu erzählen.

TV MOVIE: Ein wenig gruselig und sehr spannend.

 

RAINER TITTELBACH

„Eine tödliche Legende“ überträgt das Krimi-Genre in die Sphären von Mythen, Märchen und Legenden. Die Suche nach dem Mörder wird im vierten ZDF-„Spreewaldkrimi“ zu einer Suche nach Geschichten, nach DDR-Realität, nach Biographie, nach archaischem Brauchtum. Ein tiefes Verständnis von Geschichtlichkeit prägt den Film. Bei Autor Thomas Kirchner schreibt sich die Vergangenheit umfassend in die Gegenwart ein, verbunden zu einem – auch filmästhetisch – magischen Ganzen. Überzeugende Schauspieler, seltsame Wesen, ein Film aus einem Guss. Ertrunken im Fließ? Herzversagen im Hotel? Kommissar Krüger glaubt nicht an solche naheliegenden Todesursachen. Er weiß, wozu Menschen in der Lage sind, und er weiß um die Schicksalhaftigkeit des Spreewalds. Sein Beruf ist ihm Passion. Er lebt sich hinein in die beiden Fälle, die bald zu einem Fall verschmelzen. Schlangengift ist im Spiel. Mit sonderbaren Menschen bekommt er es zu tun: mit einem auf sein Recht pochenden Alteigentümer, der auf Rückgabe des von der DDR verstaatlichten Familieneigentums klagt, mit einer tief im Spreewald wohnenden Hebamme, die ihre „Kinder“ überlebt, mit einem ehemaligen Parteisekretär, der sich Grundstücke erschlichen hat und der sich – Alzheimer sei Dank – an nichts mehr erinnern kann. Und dann ist da noch diese Frau, die Tochter einer der beiden Toten, der im Hotelschloss Lübbenau eines Morgens nicht mehr aufwacht. Sie folgt den Aufzeichnungen ihres Vaters, der im Spreewald seinen familiären Wurzeln nachspürte, bevor sie ihm zum Verhängnis wurden. Krüger ermittelt nicht klassisch – vielmehr lässt er die Geschichten auf sich zukommen, er hört in die Menschen hinein, er liest die Zeichen. Dieser Mann ist empfindsamer, als er aussieht.

Eine Schlange schlängelt sich durchs Wasser. Tote Ringelnattern als Boten des Todes. Eine Kobra auf Tuchfühlung. Ein Schizophrener schlüpft in die Rolle, ja in die Haut eines Fabelwesens, des Schlangenkönigs. „Eine tödliche Legende“, der vierte ZDF-„Spreewaldkrimi“, transzendiert das Genre, in dem Mord, Verbrechen und Unrecht für gemeinhin regieren, in die phantasievollen Sphären von Mythen, Märchen und Legenden. Die Spurensuche wird nur anfangs von Pathologie und Kriminalbiologie begleitet, später dominieren andere Wege der Erkenntnis: die Suche nach dem Mörder, die bei diesem Kommissar immer auch etwas mit Ahnung, mit Eingebung zu tun hat, wird zu einer Suche nach Geschichten, nach politischer Realität, nach Biographie, nach archaischem Brauchtum. Ein tiefes Verständnis von Geschichtlichkeit prägt auch (und besonders) diese Spreewald-Todesmär. Bei Thomas Kirchner schreibt sich die Vergangenheit magisch und vor allem umfassend in die Gegenwart ein – da fällt nicht irgendein beliebiger Schicksalsschatten auf das Hier und Jetzt, da wird niemand von der Vergangenheit eingeholt. So abgedroschen diese Metaphern – so abgedroschen werden sie in zu vielen TV-Krimis, die Krimidramen sein wollen, beschworen. In „Eine tödliche Legende“ werden alle Erzählmotive stimmungsvoll in ein atmosphärisches Ganzes eingewoben. Die Geschichten entwickeln sich langsam und doch machen sie einen nicht ungeduldig – zu geheimnisvoll, zu sinnlich prall sind die Szenen, die Details. Und obwohl viel Mysteriöses in diesem Film steckt, wird ihn am Ende wohl kein Zuschauer als Humbug abtun, wie es oft bei Mystery-Stoffen im Fernsehfilm-Gewand vorkommt.

Dem klugen dramaturgischen Konzept steht die Inszenierung von Torsten C. Fischer in nichts nach. Die nonverbale Rhetorik des (Ver-)Zögerns, das das Handeln der nachdenklichen Figuren auszeichnet und das in anderen Filmen allzu häufig artifiziell und manieriert wirkt, passt zu jenem Ermitteln des sinnlichen Augenscheins, in dem sich Zeitebenen und Blicke ungewöhnlich kreuzen. Die Wahrnehmung wird quasi zum Mittel der Erkenntnis. In diesem System funktioniert sogar „Schönchen“ Muriel Baumeister, gestreng frisiert und mit einem Blick, der Tote weckt, überraschend gut. Und sonst: jeder Schauspieler, jede Figur ein seltsames Wesen – und doch: ein Ensemble aus einem Guss. Die technisch-dramaturgischen Voraussetzungen für den homogenen Eindruck, den auch die nicht minder komplexe Filmästhetik inklusive Montage hinterlässt, hat der Regisseur sehr präzise und anschaulich im Presseheft beschrieben: „Drei Zeitebenen begegnen sich hier, stoßen aufeinander, durchmischen sich und verschmelzen miteinander. Wir haben uns dazu entschlossen, die Zeitenebenen und das Gefühl dafür in einen eher selbstverständlichen Fluss zu versetzen, die Orte binden und speichern quasi Gegenwart wie Vergangenheit, sind die Bühne des Geschehens und der Ereignisse, die zu durchreisen sind.“ Und die Landschaft, die da durchreist wird, spielt auch ästhetisch eine Rolle: Der Spreewald entwickelt eine eigene Realität, ein Stück urwüchsige Natur, verwunschen und entrückt zugleich, ein Kosmos, dem nicht mehr bedeutungsvolle Schwere aufgeladen wird, als einem Fernsehfilm gut tut. Auch hier: ein gut austarierter Mix aus Sinn und Sinnlichkeit, magisch in seiner Wirkung. (Text-Stand: 3.9.2012)

zum Artikel: www.tittelbach