Spreewaldkrimi V: Feuerengel

TV-Movie für ZDF im Auftrag der Monaco Film

Trailer: www.youtube

Premiere

2012 auf dem FILMFEST HAMBURG

Erstausstrahlung ZDF

18. November 2013 als "Fernsehfilm der Woche"

Regie

Roland Suso Richter

Kamera

Stefan Unterberger, Busso von Müller

Produzent

Wolfgang Esser / Monaco Film

Redaktion

Pit Rampelt

mit

Christian Redl, Anja Kling, Thorsten Merten, Kai Scheve, Martin Lindow, Roman Knizka, Claudia Geisler, Rike Schäffer, Jochen Nickel, Stefanie Höner, Christian Beermann, Peter Rühring, Jean Denis Römer, Michael Hornig, Heike Jonca, Alexander Wolf, Sebastian Freigang

Was wir sehen, erkennen können, ist immer nur ein Ausschnitt. Je näher wir herantreten, je genauer wir wissen wollen, um so mehr verlieren wir den Blick für das Ganze. Wie wir eine Sache betrachten, betrachten wir auch uns."

Schnitt: Bernd Schlegel, Musik: Ralf Wienrich, Szenenbild: Lars Lange, Kostüm: Lore Tesch, Maske: Winnie Mattheus, Babette Bröseke, Ton: Henning Thölert, Beleuchtung: Birger Müller, Producer: Ina-Christiane Kersten, ZDF Prod.Management: Donald Jenichen, Prod.Leitung: Hartmut Damberg, Ass.: Andrea Virnich, Filmgeschäftsführung: Dennis Reuter, 1. Aufnahmeltg.: Lena Reuter, Set: Kerstin Dressler, Set-AL: Matthias "Matze" Wegner, Prod.Fahrer: Christoph Stangier, Uli Tang, Regie-Ass.: Sven Fehrensen, Script: Anke Teuber, Komparsen: Max Fenner; Kamera-Ass.: Matthias Kapinos, Matthias Börner, DIT: Han Xiaosu, Bestboy: Marco Quandt, Beleuchter: Roman Gutt, Kamerabühne: Elmar Suska, -Ass.: Paolo Sanzani, Ton-Ass.: Jürgen Mathuschek, Szenenbild-Ass.: Lisa Folkens, Aussenrequisite: Alex Lambriev, Innenrequisite: Eckhart "Ecki" Friz, Requisitenfahrer: Michael Waschnig, Baubühne: Baubühne GmbH Frank Tauchmann, Praktikantin: Romy Hezer, VFX-Supervisor: Denis Behnke, SFX: SFX-Department Berlin Adolf Wojtinek, Kostüm-Ass.: Tanja Jesek, Garderobe: Carmen Oertwig, Editor-Ass.: Benajmin Kaubisch, Presse: Dr. Birgit-Nicole Krebs, Catering: Faum Catering, Stunt-Koordinator: Marno Roeder, Equipment: Cinemobil Nicole Tiemert

 

 

PRESSE

TV SPIELFILM, TIPP DES TAGES: Ausgeklügelter Fall, verwinkelt wie die Landschaft

 

MELANIE MÜHL / FAZ

..."„Feuerengel“ (Buch: Thomas Kirchner, Regie: Roland Suso Richter) erzählt eine Geschichte über Gier, Hochmut, Neid, Eifersucht und Betrug. Es ist der fünfte Fall, den Kommissar Krüger zu lösen hat, und ebenso wie bei den vergangenen Folgen muss er auch bei diesem die zahlreichen losen Enden, die sich im Laufe der Ermittlungen vor ihm ausbreiten, zusammenfügen. Er tut dies in der ihm eigenen Art absoluter Innerlichkeit. Kommissar Krüger ist kein Mann der großen Worte. Er spricht gewissermaßen zu sich selbst. Und mit zu uns.

Und damit wären wir beim Trick dieses Krimis, der unsere Sehgewohnheiten - zumindest, was den deutschen Krimi betrifft - herausfordert. Den Knäuel in seinem Kopf versucht Krüger zu entwirren, indem er verschiedene Möglichkeiten des Tathergangs durchspielt. Der Zuschauer vollzieht seine Gedankenexperimente in visualisierter Form. Das hat einen großen Charme, weil damit das mühsame Ausbuchstabieren verschiedener Motiv- und Tatszenarien unter Kollegen wegfällt. Was die Kollegen wiederum freilich wenig freut, die ja nicht in Krügers Kopf hineinschauen können.

Wer hier mal eben in die Küche geht, um sich ein Brot zu schmieren, verliert jedenfalls rasch den Anschluss. Und zwar auch deshalb, weil der Film mit etlichen Rückblenden durchsetzt ist. Wir sehen Lisa Engel dabei zu, wie sie ihren Mann Tim küsst. Wir sehen, wie sie kurz darauf dessen Geschäftspartner Vladislav (Roman Knižka) küsst. Wir sehen, wie sie zu dritt einander anfassen. Ein anderes Mal wiederum liegt Lisa Engel mit Karsten Hellstein im Bett. Ein Auge ist blau unterlaufen; ein Haushaltsunfall, sagt sie, aber das ist eine Lüge, und Hellstein, der geradezu besessen ist von der anmutigen Lisa, weiß es.

„Was heißt schon kennen? Wen kennt man schon?“, sagt Kommissar Krüger in einer Szene. Anders formuliert: Es gibt keine Gewissheiten. Von Logik ganz zu schweigen. Nichts ist, wie es scheint. Und so entfaltet dieser bemerkenswerte Krimi nach und nach seine Wucht, ohne Eile und inmitten einer Landschaft, die so schön und so unheimlich ist, dass es gefährlich wäre, sie und ihre Bewohner zu unterschätzen."...

zum Artikel: www.faz.net/

 

 

RAINER TITTELBACH

In der Ruhe liegt die Kraft. Kommissar Krüger, der Einzelgänger und lebenskluge Beobachter, will sich versetzen lassen, spürt dann aber doch, dass der Spreewald sein Revier ist. Roland Suso Richters "Feuerengel", der fünfte, wieder von Grimme-Preisträger Thomas Kirchner geschriebene "Spreewaldkrimi", lässt mehr denn je Bilder sprechen. Die Gedankenwelt des Kommissars, in denen er mögliche Tatversionen durchspielt, wird zum Leben erweckt. Eine sinnliche Erzähltechnik, die dem Zuschauer eine ungewohnte Wahrnehmung ermöglicht: visuelles Kombinieren statt Mörderraten. Innovativ, nie kompliziert, nie Selbstzweck! Hotelbrand parallel zum Osterfeuer. Die Flammen ziehen Kommissar Krüger magisch an. Eigentlich wollte er dem Spreewald den Rücken kehren. Die Flusslandschaft tritt zugunsten der nicht minder eindrucksvollen Feuersbrünste in "Feuerengel" zurück.

Das Spreewaldhotel Wotschofska ist niedergebrannt. Es wird eine Leiche gefunden. Kommissar Krüger, der in der Gegend nie heimisch geworden ist und sich versetzen lassen wollte, nimmt dieser komplizierte Fall und die Welt der Fliese nun auf einmal doch wieder gefangen. Vielleicht, weil seine große Liebe, Gerichtsmedizinerin Marlene, sich wieder stärker für ihn interessiert. Vor allem aber, weil ihn der Tote nicht mehr loslässt. War Brandstiftung im Spiel? Ist der Brandverursacher vielleicht selbst das Opfer? Auch ein Versicherungsbetrug wäre denkbar: Das Hotel war schwer abgewirtschaftet, Hellstein, dem Eigner, stand das Wasser bis zum Hals. Eine undurchsichtige Rolle spielt auch der Immobilienspekulant Tim Engel, der von der Bank Hellsteins Kredite abgekauft hat. Und was für eine Art Mensch ist seine attraktive Frau Lisa, die es mit der ehelichen Treue offenbar nicht so genau nimmt. Und wer ist dieser Bratic, der sich in der Villa der Engels mit gezückter Waffe versteckt hält?
In der Ruhe liegt die Kraft. Das gilt besonders für die "Spreewaldkrimis" im ZDF. Obwohl auch die spannende Geschichte des fünften Films der losen Reihe von archetypischen Gegensatzpaaren dramaturgisch unterfüttert wird (Mann/Frau, Gegenwart/Vergangenheit, Mensch/Landschaft) - für die Stille gibt es keinen Gegenpart. Kommissar Krüger bleibt mehr denn je ein lebenskluger Beobachter, der sich Zeit lässt, der nachdenkt, der abwägt, bevor er handelt. Die Fortbewegung im Flies ist sein Tempo. Er ist auch kein Teamplayer. Er hat keine Lust, Konsensmanager für provinzielle Kleingeister wie Kollege Fichte zu sein. Lieber denkt er sich selbst seinen Teil. In seinem Kopf spielt er ständig alle möglichen Tatversionen durch.

Schule der Wahrnehmung. Was ist das für eine Wunde an der Schläfe von Lisa Engel (Anja Kling)? Weshalb hält sich der Serbe Bratic (Roman Knizka) in ihrem Haus versteckt? Man kann sich viele Fragen stellen in "Feuerengel", aber man langweilt sich nie, fühlt sich auch nicht überfordert oder an der Nase herumgeführt.

"Polizeiliche Ermittlungsarbeit ist ein Prozess des Durchdringens, des Erkenntnisgewinns, des Abwägens", sagt Autor Thomas Kirchner. Diesem Fakt wollten er und die Produzenten eine neue Ausdrucksform geben. "Wir wollten diesen Prozess sichtbar machen und quasi unserem Kommissar Krüger beim Denken zusehen." Und so steht man als Zuschauer immer wieder mittendrin in Krügers visualisierter Gedankenwelt. Der Einzelgänger teilt sich keinem seiner Kollegen mit, er lässt die Bilder sprechen. Die Handlung wird sinnlich vermittelt, dabei der Kommissar gleich mit charakterisiert und dem Krimi eine Handschrift gegeben. Sich nicht 1000 Namen merken und komplizierten Rechercheinformationen folgen zu müssen - das ist das große Plus dieser Erzähltechnik, dieses "Konjunktivs des Kommissars" (ZDF-Redakteur Pit Rampelt). Man kann sagen, die "Spreewaldkrimis" halten den konventionellen Krimi-Dramen den Spiegel vor, geben dem Krimi im Fernsehfilmformat ein Beispiel, indem sie zeigen, wie man es anders machen kann, ohne das Genre einer radikalen Dekonstruktion zu unterwerfen, wie es beispielsweise der BR-"Polizeiruf 110" mit Matthias Brandt tut.

"Feuerengel" mag auf den ersten Blick kompliziert erscheinen. Die Klarheit im Blick von Kommissar Krüger macht die Geschichte letztlich aber sehr viel verständlicher und nachvollziehbarer als viele der herkömmlichen, weitgehend verbal (v)ermittelten und erklärten Fernsehkrimi-Geschichten. Außerdem ist der Zuschauer sogar Krüger, den Christian Redl charakterköpfig, mit mehr als einem vom Drama geschwängerten (ja mit einem fast ein bisschen surrealen) Gesichtsausdruck gibt, häufig noch einige Gedankenschritte voraus. Die Rückblenden scheinen dieses Mal weniger von der Poesie der Landschaft und der Subjektivität der Episodenhauptrollen bestimmt zu sein als beispielsweise in "Der Tote im Spreewald" mit Nadja Uhl. In "Feuerengel" gibt mehr denn je der Kommissar den Blick vor.
Dramaturgisch könnte man dies als Rückschritt sehen. Mit Blick auf den Zuschauer aber ist dieser Film in Sachen "Schule der Wahrnehmung" eher ein Fortschritt: Der Zuschauer wird quasi zu einem neuen, fürs deutsche Fernsehen ungewöhnlichen Blick verführt. Wie der Kommissar wird er zum Beobachter. Er wird von Thomas Kirchner und Regisseur Roland Suso Richter aufgefordert, sich selbst ein Bild zu machen. Statt Mörderraten ist eine Art kreatives, visuelles Kombinieren angesagt. Erfahrungsgemäß darf man den Zuschauer aber auch nicht überfordern mit einem solchen Wahrnehmungspuzzle. Aus diesem Grund haben sich die Macher offenbar - was die Geschichte angeht - bewusst für einen Mix gängiger Themen (Versicherungs- & Subventionsbetrug, Eifersucht, häusliche Gewalt) entschieden. Linear erzählt wäre aus "Feuerengel" wahrscheinlich das übliche ZDF-Montagskrimidrama geworden. Und so gibt dieser stimmungsvolle, nicht so prominent wie die bisherigen "Spreewaldkrimis" besetzte Film noch ein Beispiel für die Fernsehkrimipraxis: er zeigt, dass in einer Zeit, in der (fast) alle Geschichten erzählt sind, es immer mehr auf das Wie ankommt.
zum Artikel: www.tittelbach