Fouché

Ensemble mit 10 Schauspielern für 49 Rollen

Joseph Fouché hat es geschafft,
für die Bürgerlichen in die Nationalstände berufen zu werden,
mit den Jacobinern für die Hinrichtung Ludwigs zu stimmen,
unter Robespierre Minister zu werden,
Lyon zu vernichten und anschließend seinen Protegé,
hat das Direktorium des Barras gestürzt,
Napoleon auf den Kaiserthron gehievt
und anschließend an die Bourbonen verraten...
Die politische Karriere eines unpolitischen Menschen. Geschichte als Spektakel.

 

LESEPROBE

 

Die BÜHNE - ein Revolutions-Zirkus ohne feste Kulissen.
Die Szenen fließen ineinander, überschneiden sich, laufen parallel.

Haus Fouché. 1803. Reminiszenz Napoleon Bonaparte...


NAPOLEON
: Der Bürger Fouché, Polizeiminister unter den schwierigsten Verhältnissen, hat durch sein Talent und seine Tatkraft, durch seine Anhänglichkeit zur Regierung, immer allen Anforderungen entsprochen, welche die Geschehnisse erforderten...

FOUCHÉ: (sein Entlassungsschreiben weiterlesend) ...Und indem sie ihm eine Stellung im Senat gibt, weiß die Regierung, daß, wenn andere Zeiten wieder einen Polizeiminister fordern sollten, sie keinen anderen finden würde, der ihres Vertrauens würdiger wäre. (knüllt sein Entlassungspapier zusammen und sinkt wie tot in einen Sessel). Dieses Warten. Diese Langeweile. Entlassen! Nun, Joseph Fouché, vormals Polizeiminister, bist du wieder ein Nichts. Die paar Millionen Gulden zählen nicht, du weißt das. Dieses Warten. Sie werden dich brauchen. Auf den Knieen werden sie betteln, daß du zurückkommen mögest. Eine lächerliche Senatorenschaft haben sie dir zugedacht. Seit einem Jahr, seit 1802 sind dir die Hände gebunden. Ich bin entlassen, und es läuft weiter. Ohne mich.

Die Schauspieltruppe nähert sich.

SCHAUSPIELER: (singen)
Ah, das geht ran, das geht ran, das geht ran.
Die Aristokraten an die Laterne!
Ah, das geht ran, das geht ran, das geht ran.
Die Aristokraten hängt sie dran!

FOUCHÉ: Greift deine Hand noch nach der Krone, Korse?

SCHAUSPIELER: (singen)
Und wenn sie alle hängen, marsch!
Haut man ihnen die Schippe vor’n Arsch!
Ah, das geht ran, das geht ran, das geht ran.

FOUCHÉ: Die Franzosen richten gerne Könige, sie haben da Übung. Vielleicht findet sich sogar für einen Kaiser ein Brutus. Das Medusenhaupt der Macht. Wer einmal in ihr Antlitz sah.

Fouché dämmert weg, die Schauspieler betreten die Bühne versammeln sich um ihn.

(Die Texte der Schauspieler werden nach Belieben aufgeteilt, sofern sie keine Rollenbezeichnung tragen.)

- Ein Schauspiel gefällig, Exellenz, Bürger, Senator von Aix, Fouché, Joseph?
- Ein Spektakel vielleicht?
- Ein Revolutionsspektakel?
- Wir schreiben 1780.
- Wann?
- Jetzt.

Die Schauspieler kostümieren sich und spielen...

Hof zu Versailles, 1780.


LUDWIG XVI.
: Einen ganz prächtigen Hirsch habe ich heute morgen geschossen, kann ich Euch versichern, Teuerste. Da wird die Seele frei und droht überzulaufen, Herzogin. Ein genialer Schuß. Wie demütig das Tier zusammenbrach. In seinem Auge spiegelte sich der Himmel. Die paar Hasen zähle ich nicht.

HERZOGIN: Ihr seid ein vortrefflicher Schütze, Majestät.

LUDWIG XVI.: Nicht wahr. Habt Ihr Interesse an der Jagd?

HERZOGIN: Es kommt auf das Wild an, Exzellenz.

LUDWIG XVI.: Ich verstehe. Ich bin nicht so dumm, wie nach meinem Tod alle behaupten werden. Da fällt mir ein, Ihr habt mit dem Grafen Retouche das Bett geteilt?

HERZOGIN: Er ist so intelligent, Sire.

LUDWIG XVI.: Und mit dem Baron le Catre.

HERZOGIN: Er hat so schöne Augen, Sire.

LUDWIG XVI.: Ferner mit dem Grafen Artoise.

HERZOGIN: Er hat ganz vortreffliche Waden, Sire.

LUDWIG XVI.: Aber an dem Grafen de la Rochefort ist doch nun wirklich nichts dran, Teuerste.

HERZOGIN: Er ist Eurer Majestät so ergeben.

LUDWIG XVI.: Ich habe eine Schwäche für brave Untertanen.

Ein Bauer und eine Bäuerin werden vorgelassen.

LUDWIG XVI.: Was habt Ihr denn, meine Landeskinder?

BAUER: Majestät, wir hungern.

BÄUERIN: Ich weiß nicht, wovon die Kinder ernähren.

LUDWIG XVI.: Liebes Volk von Frankreich! Mein treues, mich liebendes Volk von Frankreich! Es blutet mir das väterliche Herz, wenn ich sehe, wie die Sonne die Äcker austrocknet, und Gott uns einer schweren Prüfung unterzieht. Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen und auf Gott vertrauen, der sein Volk gleich mir liebt, und um Regen bitten.

HERZOGIN: Gesegnet sei die Monarchie und unser König, und nach uns die Sintflut.

BAUER: Wir fordern Reformen.

LUDWIG XVI.: Wir haben eine Bodenreform gemacht, eine Währungsreform. Das soll uns in Europa erst einmal jemand nachmachen.

BÄUERIN: Aber, Exzellenz, dadurch ist nur alles schlimmer geworden.

LUDWIG XVI.: Und deshalb will ich von Reformen nichts mehr hören. Ich weiß nicht einmal mehr, wie dieses Wort geschrieben wird.

HERZOGIN: Diese Ordnung ist gottgewollt.

LUDWIG XVI.: Wohl den Ländern, denen Gott einen König gab.

Die Schauspieler haben ihr Spiel beendet.

- Bravo!
- Bravissimo!
- Es lebe der König!
- Es lebe die Republik!

Die Schauspieler scharen sich wieder um Fouché, der immer noch wie tot in seinem Sessel hockt.

- Exzellenz?
- Ob er uns hört?
- Gefällt Euch unser Spiel?
- Bürger! Im Namen der Republik!
- Wer weiß, ob er will.

Ein Schauspieler hat sich als Vater Fouchés verkleidet.

VATER: Ich weiß nicht, was aus diesem Sohn einmal werden soll. Mein Sohn, mein guter Junge. Er ist so schweigsam.

- Frankreich hat noch keinen Platz für ihn. Bei Gericht, bei der Verwaltung, in jeder Anstellung, jedem Amt bleiben die fetten Pfründe dem Adel vorbehalten.
- Wozu sind wir auch eine Monarchie.
- Für den Hofdienst benötigt man gräfliches Wappen oder gute Baronie, selbst in der Armee bringt es eine Bürgerlicher kaum weiter als zum Korporal.
- Es ist durch und durch korrupt, dieses Königreich!
- Was Wunder, wenn sie bald mit Fäusten fordern werden, was ihrer bittenden Hand versagt wurde.

VATER: Das ist nie und nimmer mein Sohn. Kaufleute seine Eltern, Seefahrer seine Ahnen, aber kein kühnes Blut, das die Adern dieses völlig aus der Art geschlagenen Sohnes durchpulst. Er ist ein Feigling. Wenn er Schiffe nur sieht, befällt ihn das Kotzen. Nach drei Minuten Lauf ermüdet er, und nach einer viertel Stunde Knabenspiel ist er so gut wie tot. Wie blaß er ist. Wohin mit ihm?

ALLE: In die Kirche!

VATER: Nehmt ihn auf in Euren düstren Hallen. Ihr habt die Weisheit der Jahrhunderte in Euren Kellern.

ABBE: Und manchen guten Tropfen.

VATER: In Eurer unendlichen Güte nehmt Ihr selbst den Unscheinbarsten in Euer unsichtbares Reich. Ihr habt Ideen unterjocht und eingemeindet, ganze Länder verschlungen und Euch doch nicht übergeben. Ihr habt einen großen Magen, so nehmt auch ihn.

Langsam richtet sich Fouché auf. Die Schauspieler sehen einander freudig an, das Spiel kann beginnen.

ABBE: Wir haben Dich zum Lehrer erzogen, und nun unterrichtest Du selbst an die fünf Jahre schon die Knaben, die unserer Obhut übergeben sind, in der Mathematik, der Physik und dem Latein.

FOUCHÉ: Ich selbst, ehrwürdiger Vater, habe viel gelernt und lerne immer noch.

- Vor allem das Schweigenkönnen, die magistrale Kunst des Selbstverbergens. In seinem Gesicht zeigt kein Nerv einen Gedanken, eine Leidenschaft.
- Er lernt die Meisterschaft der Seelenbeobachtung, der Psychologie.

FOUCHÉ: Des öfteren denke ich an die höheren Weihen.

ABBE: Recht tust Du daran. Du könntest Priester werden, vielleicht gar Bischoff oder Eminenz. Du bist klug, weißt, was Gott von seinen Dienern verlangt.

- Der soziale Sturm in Frankreich hat begonnen. Voltaire, Rousseau herrscht eher in den Köpfen als die Bibel.

ABBE: Der Antichrist kommt auf uns zu. Die bestehende Ordnung, die gottgewollte, gerät in Gefahr. Wir müssen uns dem Antichristen entgegenstellen. Wie denkst Du über die Weihen?

FOUCHÉ: Ich denke, Gott zu dienen mit reinster Seele bringt mir die Erlösung. Gott verlangt in seinem Dienst an ihm nicht an erster Stelle Ämter. So habt Ihr es mich gelehrt, ehrwürdiger Vater.

ABBE: Deine Bescheidenheit wird Gott erfreuen, doch kommt auch die Zeit, wo nur ein Schwur, ein Gebet, eine Weihe den Geist läutern kann, dort, wo er schwach zu werden droht.

FOUCHÉ: Ich werde beten, in mich gehen und Gott um Rat bitten.

- Nicht binden, Joseph. Nicht jetzt, da in den Zirkeln zu Arras und im ganzen Land über die Menschenrechte diskutiert wird und die Losung lautet:

ALLE: Krieg den Privilegierten und den Privilegien!

Die Schauspieler umfangen Fouché und führen ihn in den Club. Verwandlung.

Club Arras



- Hier sind deine neuen Freunde, Priesterlehrer. Wir versammeln uns im Zirkel „Rosati“.
- Der geistliche Herr sucht Fühlung mit den geistigen Kreisen der Stadt. Buntes Volk trifft sich hier.

FOUCHÉ: Man sieht mich gern?

ALLE: Ohne Zweifel.

FOUCHÉ: Ich kann angenehm über die neuesten Entdeckungen auf dem Gebiet der Wissenschaft plaudern. Über die Montgolfieren, die ersten Luftschiffe, die Elektrizität.

Aus dem Stegreif entwickeln die Schauspieler die Figuren.

- Lazare Carnot, Hauptmann vom Geniekorps, Spezialist in mokanten Versen. Wollt Ihr einen hören?
Der Bauer stirbt an Hunger vor der nächsten Saat
an beißender Kälte beim Überwintern.
Der Adel frißt sich kugelrund, krepiert mit seiner Magd
vorm Kamin durch Syphilis aus ihrem Hintern.

- Sagen Sie, wissen Sie, wann die Revolution beginnt? Ich möchte ungern zu spät kommen. Hier redet ja alles durcheinander und plötzlich ist es zu spät.

- Gestatten, Marat, Jean-Paul, Arzt. Eigentlich Schweizer. Die Ausrufung der Generalstände haben mich von meinem Roman weggeholt, welchen ich gerade im Begriff war zu schreiben. Ein schöner, sentimentaler Roman, versichere ich Euch.

- Maximilian de Robespierre. Noch achte ich auf meinen Adel. Später, während der Revolution, werde ich ihn verleugnen.

Donnerschlag.
Aus den Kulissen, mitten in das Spiel hinein, tritt der „echte“ Robespierre. Die Schauspieler erstarren.

ROBESPIERRE: Ich bin es gewohnt, für mich allein zu sprechen!
(sich auf Fouché stürzend) Ratte! Du hast die Nation verraten, die Revolution hintertrieben und sie den Spekulanten und Verbrechern in die Arme getrieben. Ich spucke aus vor dir, Fouché. Mit diesen Händen möchte ich dich erwürgen! Das Volk sollte dich unter die Guillotine schleifen. Leider ist dein Platz leer geblieben.

- Euren hingegen habt Ihr vortrefflich ausgefüllt.

FOUCHÉ: Ich habe um mein Leben gekämpft und würde es wieder tun.

ROBESPIERRE: Dein Leben! Dein armseeliges Leben! Voller Kriechertum, Speichelleckerei und Machtrausch. Ich möchte dich zerquetschen.

- Aber, meine Herren. Bedenken Sie, die Geschichte ist nicht im nachhinein zu korrigieren.
- Wir könnten es versuchen, jede Regierung versucht das.
- Wertet. Nicht ‘korrigieren’. Wertet.

ROBESPIERRE: Ich muß mit Blindheit geschlagen worden sein in Arras. Ich hielt dich für einen Freund, Verräter.

Club zu Arras.



AUGUSTIN DE ROBESPIERRE: Maximilian, Bruder, denk’ dir nur, Joseph leiht dir das Geld, das du für einen neuen Anzug brauchst. Einen Koffer borgt er dir auch. Hier sind zehn Luisdor.

FOUCHÉ: Keine falsche Scham, Maximilian. Du bist von den Bürgern aus Arras zum Deputierten gewählt worden. Es wäre doch lächerlich, wenn die Revolution ohne dich beginnen würde, nur weil es dir am Geld fehlt. Die Nation braucht dich.

AUGUSTIN DE ROBESPIERRE: Nun nimm es schon.

ROBESPIERRE: Ich zahle es dir wieder, jeden Luis.

FOUCHÉ: Das hat keine Eile, Maximilian. Noch einen Rat unter Freunden. Gewöhne dir ab, an den Fingernägeln zu knabbern, wenn du aufgeregt bist. Das macht keinen guten Eindruck für einen Politiker.

ROBESPIERRE: Ich bin Vertreter des Volkes, niemals werde ich etwas anderes sein, als Vertreter des Volkes. Aber es ist unschicklich, du hast recht. Was für einen Rock sollte ich mir wohl schneidern lassen?

AUGUSTIN DE ROBESPIERRE: Blau. Oder besser feengrün.

FOUCHÉ: Das sind die Farben der Tugend. Und jetzt geh, sonst werden die Generalstände ohne dich eröffnet.

ROBESPIERRE: (für sich) Ich habe es genommen, dein verfluchtes Geld. Wir haben gemeinsam die Reden für meinen Wahlkampf ausgearbeitet, haben die Lehren Rousseaus verbreitet. Die Freiheit, die Gleichheit lag uns am Herzen. Alle Menschen sind gleich! Wir haben es wie eine Religion in uns aufgesogen. Dem Volke zu dienen, gegen jede Tyrannei.

FOUCHÉ: (für sich) Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich eine Monarchie so einfach ergibt, wenn ein paar Enthusiasten kommen und sagen: Platz da, wir sind dran.

Die Schauspieler spielen Nationalversammlung.


- Wir schwören, uns niemals von der Nationalversammlung zu trennen und uns überall zu versammeln, wo die Umstände es gebieten, so lange, bis die Verfassung des Königreichs ausgearbeitet ist und auf festen Grundlagen ruht.

- Bürger, Ihr wißt, die Nation hat gefordert, daß Necker, der erste Minister, ihr erhalten bliebe: Man hat ihn davongejagt! Kann man Euch frecher trotzen? Nach diesem Streich werden sie alles wagen, und noch für diese Nacht planen sie, organisieren sie, eine Bartholomäusnacht für die Patrioten. Zu den Waffen, zu den Waffen! Wir wollen alle die grüne Farbe der Hoffnung tragen. Zur Bastille!

Verwandlung. Versailles.


LUDWIG XVI.
: Was ist denn? Ich möchte nicht gestört werden.

DIENER: Euer Exzellenz. Das Volk hat die Bastille gestürmt.

LUDWIG XVI.: Mein Gott, das ist ja ein Aufruhr.

DIENER: Nein Sire, das ist die Revolution.

LUDWIG XVI.: Papperlapapp, Revolution. Aber warum denn? Bin ich nicht der beste König der Welt? Habe ich nicht erlaubt, weise und väterlich, daß sich mein liebes Volk beschweren darf? Habe ich nicht die Generalstände einberufen? Was wollen diese Leute denn noch? Gibt man diesem Pöbel den kleinen Finger, wollen sie einem gleich den ganzen Arm abhacken. Papperlapapp, Revolution.

SCHAUSPIELER: (singen)
Ah, das geht ran, das geht ran, das geht ran.
Hängt die Aristokraten an die Laterne...

Ein Schauspieler schreibt einen Brief.

- Die royalistische Verschwörung gegen die Nation ist entlarvt worden. Um das Volk zu versöhnen, sind viele andere Sühneopfer nötig. Foulon, der Neckars Nachfolger werden sollte, wurde durch die Straßen von Paris geschleift und anschließend in Stücke gerissen. Sein Haupt wurde auf eine Pike gespießt und in den Fauborg Saint-Martin getragen. Ich habe Verständnis dafür, daß sich das Volk rächt. Ich heiße dieses Recht gut, denn es tut der Ausrottung der Schuldigen genüge. Könnte dieses Recht aber nicht heutzutage unerträglich werden? Die Strafen aller Art, die Vierteilung, die Folter, das Rädern, der Scheiterhaufen, die Peitsche, der Galgen und die allerorts zahlreicher gewordenen Henker haben uns derart verrohen lassen! Statt uns gute Sitten zu lehren, haben uns die Herren zu Barbaren gemacht, weil sie selbst Menschen solchen Schlages sind. Sie ernten das, was sie gesät haben. Alle diese Dinge werden allem Anschein nach gräßliche Auswirkungen haben. Wir stehen erst am Anfang.

Zwei Schauspieler, wie Lehrer und Schüler:

- Was hast du denn?

- Ich möchte die Menschen- und Bürgerrechte aufsagen.

- Nun ja, wir leben in einem freien Land.

- Artikel I. Frei und gleich an Rechten werden die Menschen geboren und bleiben es. Die sozialen Unterschiede können sich nur auf das gemeinsame Wohl gründen. Artikel II. Der Zweck jedes politischen Zusammenschlusses ist die Bewahrung der natürlichen und unverlierbaren Menschenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Bedrückung.

- Das reicht jetzt.

- Artikel XI. Die freie Mitteilung seiner Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Rechte des Menschen. Jeder Bürger darf sich also durch Wort, Schrift und Druck frei äußern.

- Ich sagte, das reicht!

Der erste Schauspieler gibt dem zweiten eine Kopfnuß.

Die anderen Schauspieler treten hinzu und spielen in einer Art Clownsspiel Demokratie.

- Ich beantrage die Nationalisierung des Kirchengutes.

ALLE: Angenommen.

- Ich beantrage das Gesetz über die Assignate.

ALLE: Angenommen.

- Ich beantrage die Aufhebung der Klöster.

ALLE: Angenommen.

- Ich beantrage die Abschaffung des Adels.

ALLE: Angenommen.

- Abschaffung des Parlaments.

- Abschaffung der Binnenzölle.

- Einführung der allgemeinen Grundsteuer.

ALLE: Angenommen. Angenommen. Angenommen.

- Ich beantrage das Streik- und Koalitionsverbot.

- Nein.

- Doch.

- Niemals.

- Angenommen.

- Artikel XV. Die Gesellschaft hat das Recht, von jedem öffentlichen Beauftragten ihrer Verwaltung Rechenschaft zu fordern.

Ende des Clownsspiels.

Verwandlung.

FOUCHÉ und der Vater Bonne-Jeannes sitzen beim Tee.

VATER: Diese Hitze! Habt Ihr je so einen Sommer erlebt, Joseph? Ich für meinen Teil kann mich nicht erinnern. Einen König verhaften! Die Hitze muß den Herren im Konvent aufs Gehirn geschlagen sein. Einen König verhaften! Was haben wir da nur gewählt?

FOUCHÉ: Er wollte Frankreich verlassen. In Paris nennt man das Verrat.

VATER: Paris ist übergeschnappt. Die trampeln doch alles kaputt, die Radikalen. Sitzen in der Regierung und wissen überhaupt nicht mehr, wie’s aussieht im Land. Verschwörung hin, Verschwörung her. Ganz Europa wird über unser geliebtes Frankreich herfallen. Dann ist die ganze Revolution im Arsch. Sie verzeihen schon.

FOUCHÉ: Es ist in der Tat eine brisante Situation.

VATER: Sie sagen es, mein lieber Fouché. Ich verstehe nichts von Politik. Wir haben den Adel und den Klerus entmachtet, jetzt sollten wir daran denken, nun ja, wie soll ich es sagen?

FOUCHÉ: Das Erreichte bewahren.

VATER: Ja, genau das ist es. Das Erreichte bewahren. Wir sollten uns um das Erstarken Frankreichs bemühen. Um die Industrie, den Handel, das Eigentum.

FOUCHÉ: Wenn es nach den Unruhestiftern geht, dann würde nach Adel und Klerus das Geld und das Eigentum abgeschafft werden.

VATER: Genau.

FOUCHÉ: Ich stimme Ihnen zu.

VATER: Der Sturm auf die Bastille mag ja noch angehen, auch die Verkündung der Menschenrechte, obschon die Bürgerrechte gereicht hätten, aber die Abschaffung der Sklaverei geht doch etwas zu weit. Ich meine, die Verfassung: gut. Der Verzicht von Adel und Klerus auf die Privilegien: gut. Die Nationalversammlung: hervorragend, aber jetzt scheinen die Herren im Konvent über das Ziel hinauszupreschen. Was meinen Sie, lieber Fouché?

FOUCHÉ: Wir haben den Handel zu schützen, das Eigentum zu verteidigen und die bürgerlichen Gesetze zu respektieren. Aber wenn die Karren erst einmal ins Rollen geraten sind, sind sie schwer wieder aufzuhalten.

VATER: Allein, wenn ich an diese Idee der Sklavenbefreiung denke. Ich meine, es sind doch bloß Neger. Die Bürgerschaft von Nantes ist beunruhigt. Sie sind der Präsident unseres gegründeten Clubs. Sie wissen, wie unsere Bürger denken. Die Revolution gerät aus den Fugen. Wir haben uns nicht die Privilegien erkämpft, um sie jetzt mir nichts dir nichts dem Pöbel in die Hände zu legen. Mein Freund, Ihre Reden finden allseits Beachtung. Ich weiß, wovon ich rede. Sehen Sie, und deshalb habe ich Sie zu dieser Unterredung eingeladen. Wir kennen uns nicht erst seit heute und wissen sehr wohl, worauf es ankommt. Der Heirat mit meiner Tochter steht selbstverständlich nichts im Wege, und sie wäre ja auch schön dumm, in diese nicht einzuwilligen, bei einem energischen Mann wie Ihnen.

FOUCHÉ: Vielen Dank.

VATER: Danken Sie mir nicht. Ich bin ein kleiner Kaufmann, dem die Interessen Frankreichs am Herzen liegen, und in den Zeiten der Radikalen von der Bergpartei mit ihrem Robespierre und ihrem Danton an der Spitze, Aufrührern wie diesem Desmoulis und dem Volksverhetzter Marat zur Seite, müssen wir unsere Reihen fester schließen, um dem Chaos und der Anarchie unserer Türen zu verweisen.

FOUCHÉ: Das Erkämpfte bewahren.

VATER: Ich wußte, daß ich mich auf Sie verlassen kann. Sehen Sie und doch habe ich da noch einige Fragen als zukünftiger Schwiegervater, dem das Wohl seiner Tochter, Sie verstehen. Mir wurde kundgetan, Sie seinen Priester gewesen.

FOUCHÉ: Ich habe nie die höheren Weihen genommen. Meine Gottgläubigkeit ist nicht sehr stark ausgeprägt. Meine Eltern waren Kaufleute und Seefahrer. Es war die Zeit, die schwierig war.

VATER: Jaja, die schwierigen Zeiten. Da verrennt man sich schon mal in was Blödes. Nun gut. Haben Sie schon darüber nachgedacht, für den Konvent zu kandidieren?

FOUCHÉ: Offen gestanden, ja.

VATER: Na wunderbar. Sie sind Kaufmann. Sie sind einer von uns. Sie wissen, worauf es ankommt. Ich bin nicht sehr vermögend, und meine Tochter ist nicht gerade das, was man ein hübsches Weibsbild nennt...

FOUCHÉ: Sagen Sie das nicht.

VATER: Wir sind doch unter uns Männern. Aber sie hat durchaus ihre Qualitäten. Stille Wasser, Sie kennen das. Nun gut, die Mitgift und meine Fürsprache in der Wählerschaft Ihre Wahl zum Konvent betreffend... Es ist nötig, glauben Sie mir. Die Entwicklung macht uns alle besorgt. Die Revolution muß jetzt zu Ende sein, sonst läuft sie Gefahr, alles wieder einzureißen, was wir mühsam erkämpft haben. Will sagen,... Wie sagten Sie?

FOUCHÉ: Das Erreichte bewahren und weiter auf erfolgreichem Kurs.

VATER: Ein echter Seemann. Nun gut. Ich sehe, wir sind uns einig. Die Priesterschaft vergessen wir ganz schnell und über Details werden wir später noch reden. Sie wohnen selbstverständlich unter meinem Dach. Keine Widerrede. Ich werde jetzt meine Tochter zu Ihnen schicken, damit Sie ihr Ihre Heiratsabsichten unterbreiten können. Die Form muß schließlich gewahrt bleiben. Sie werden sehen, sie ist ganz ihre Mutter. Ich, für meinen Teil, hatte nie Schwierigkeiten mit ihr. Und wenn Sie im Konvent die Bürgerschaft von Nantes vertreten, räumen Sie auf mit den Radikalen.

FOUCHÉ: Ich darf Ihnen versichern, ich werde Sie nicht enttäuschen.

VATER: Ich verliere eine Tochter und gewinne einen Sohn.

FOUCHÉ: Mein Vater.

Intermezzo.

- Oh, du große Konventshure, ich bitte dich, nimm mich auf in deinen Schoß.

- Jeder kann sich wählen lassen.

- Wozu? Die machen das schon. Neulich erst sagte ich zu meiner Frau: Kinder werden immer geboren, und wenn sich die Wogen geglättet haben, werden wir uns einzurichten wissen.

Auftritt Bonne-Jeanne.

FOUCHÉ: Ich bin gekommen, um Ihre Hand anzuhalten.

BONNE-JEANNE: Ich verstehe Sie nicht recht. Ich kenne Sie kaum.

FOUCHÉ: Das wird sich finden.

BONNE-JEANNE: Ich werde also verheiratet.

FOUCHÉ: Es ist der Wunsch Ihres Vaters.

BONNE-JEANNE: Habe ich eine andere Wahl?

FOUCHÉ: Wohl kaum. Aber seien Sie meiner Hochachtung versichert.

Fouché und seine junge Frau richten sich ein, wobei sie von Robespierre beobachtet werden, der abseits steht.

ROBESPIERRE: Ich habe dich in den Konvent einziehen sehen. Wie du da in der Tür standest, die dreifarbige Schärpe der Deputierten um die Schulter. Wie du abgezählt hast, wo die stärkere Fraktion wohl sitzen mag. Zu den Girondisten geschlagen hast du dich und letztlich doch getäuscht, als du dich zu jenen setztest, die der Revolution ihren Atem abschneiden wollten.

Fouché und Bonne-Jeanne haben sich eingerichtet.

BONNE-JEANNE: Wie war es im Konvent?

FOUCHÉ: Sie zerfleischen sich gegenseitig. Die Tiger vom Berge und die Panther der Gironde schlagen sich in ihrer Leidenschaft tödliche Wunden.

BONNE-JEANNE: Und du, hast du noch nicht das Wort ergriffen?

FOUCHÉ: Ich werde mich hüten. Es ist nur ein geringer Schritt vom Jubel des Volkes bis zu dem Augenblick, wo es deinen Kopf fordert. Wo sind denn die Männer der ersten Stunde? Mirabeau - sein Leichnam, gestern noch feierlich im Pantheon aufgebahrt, heute schmählich daraus entfernt. Lafayette - gestern noch Held, heute Verräter. Das Schiff der Revolution hat noch nicht seinen Hafen gefunden. Ich halte mich zurück.

BONNE-JEANNE: Ist das Feigheit, die aus dir spricht? Ich trage ein Kind von dir unter dem Herzen. Soll ich ihm sagen, sein Vater scheute sich, in den Zeiten der Revolution seine Stimme zu erheben für die Zukunft Frankreichs? Für die Zukunft der Kinder? Er scheute sich, die Stimme seiner Überzeugung...

FOUCHÉ: Überzeugung? Was ist das? Patriotisches Gefasel. Sag dem Kind, sein Vater bemühte sich, am Leben zu bleiben.

Die Schauspieler, als Girondisten verkleidet, stürmen herein.

SCHAUSPIELER: Sie sind durch! Die Jakobiner! Sie verlangen die Hinrichtung Ludwigs!

Intermezzo.

ROBESPIERRE: (vor dem Konvent) Hier ist kein Prozeß zu führen. Ludwig ist kein Angeklagter, und ihr seid keine Richter. Ihr seid Staatsmänner und Vertreter der Nation, nichts anderes könnt ihr sein. Ihr habt kein Gerichtsurteil für oder gegen einen Menschen zu fällen, sondern eine Maßnahme des Staatswohls zu treffen, einen Akt nationaler Vorsehung zu vollziehen. Ludwig muß sterben, weil das Vaterland leben muß.

Die Schauspieler umlagern Fouché.

FOUCHÉ: Das ist die Flucht nach vorn. Wenn der König seinen Kopf in den Korb spucken muß, dann wird es keine Umkehr mehr geben. Ganz Europa wird aufstehen und die Königsmörder richten wollen. Es geht nicht mehr um die Freiheit, sondern um das nackte Überleben. Wir werden nicht nur einen Krieg gegen Europa führen müssen, es wird ein Bürgerkrieg entfesselt werden, in dem es nur den umfassenden Sieg oder die umfassende Niederlage und Vernichtung geben wird. Die Revolutionsarmee wird um ihr Leben kämpfen müssen, nicht mehr um die Ideale der Freiheit. Wir sind aufgerufen worden, Frankreich in eine strahlende Zukunft zu führen, nicht seinem Untergang entgegen.

1. GIRONDIST: Bravo! Gut gesprochen! Du mußt morgen im Konvent reden.

FOUCHÉ: Ich kann nicht. Meine Stimme ist zu schwach. Sie ist dieser Anforderung nicht gewachsen. Der Berg würde mich niederbrüllen.

2. GIRONDIST: Fouché, du hast im Konvent noch nie deine Stimme erhoben, aber alle achten dich, ob deiner klugen Beurteilung der Lage. Auf dich werden sie hören.

FOUCHÉ: Wie soll man auf den hören, der noch nie das Wort ergriff? Meine leise Stimme, meine schlechte Diktion. Es herrschen die lauten Stimmen im Konvent. Ich überlasse Euch gern meine Rede zu eurer freien Verfügung. Ich bleibe lieber in der Reserve, um euch beizustehen, wenn es ernst wird.

3. GIRONDIST: Joseph, laß dich umarmen. Wir achten deine Zurückhaltung. Nie hast du dich aus eitlen Überlegungen hinreißen lassen, nichtssagende Tiraden über den Konvent auszugießen, einzig aus dem Zweck der Selbstdarstellung.

FOUCHÉ: Mir liegt das Wohl des Landes am Herzen.

4. GIRONDIST: So laß mich deine Rede vortragen.

FOUCHÉ: Gott schütze die eine und unteilbare Republik!

ALLE: Gotte schütze die Republik. Viva la France!

FOUCHÉ allein auf dem Weg in den Konvent.

FOUCHÉ: Ich muß vorsichtig sein. Alle Versuche, den König zu retten, sind fehlgeschlagen. Ich werde die Abstimmung abwarten. Ich muß einen Zettel mitnehmen und Striche führen. Hoffentlich muß ich mich nicht zu früh entscheiden, nicht, wenn die Waage sich noch nicht geneigt hat. Die Seite ist mir egal. Wenn ich mich nicht sehr täusche, wird Ludwig hingerichtet werden. Die Montagne ist zu stark geworden. Das Volk steht hinter dem Berg. Der ganze Farbough-Saint-James ist ein brodelndes Meer der Unruhe. Alle Achtung, Robespierre, alter Freund, du hast dich entpuppt und Gewaltiges in Bewegung gebracht. Deine sozialen Phantasien haben den Mob besoffen gemacht. Das Volk belagert die Tuilerien, ganze Armeen von Vorstadtagitatoren wurden von dir und deinen Freunden aufgebracht. Das Volk tobt. Steht es wirklich hinter dir? Bist du nicht dabei, es in deiner Selbstherrlichkeit zu betrügen? Zwar in guter Absicht, aber nichtsdestotrotz über das Volk hinweggehend? Das Volk. Eine Masse, die, grau und in der Summe gefühllos, einmal in Bewegung geraten, in der Lage ist, alles niederzuwalzen, was sich ihr in den Weg stellt. Die Bastille hat es bewiesen. Gegen einen Sturm kämpfen für ein paar Geldsäcke und Wucherer? Ich werde mich hüten, mich dir entgegenzustellen, Robespierre. Ich will noch ein Wörtchen mitreden auf der politischen Bühne des Welttheaters. Ich habe keinen Grund, mit der Gironde im Toben der Massen unterzugehen. Und wenn es sich abzeichnet, daß Ludwigs Kopf unter die Guillotine muß, werde ich nicht den wahnwitzigen Versuch unternehmen, ihn dort wieder hervorzuziehen. Ich werde gelassen aussprechen, was keiner erwartet von einem Abgesandten aus Nantes: LA MORT!

Wieder daheim:

BONNE-JEANNE: Ich muß aus dem ‘Moniteur’ erfahren, daß du für die Hinrichtung Ludwigs gestimmt hast. Er wird durch eine Stimme Mehrheit hingerichtet werden.

FOUCHÉ: Das muß nicht meine Stimme sein. Die glühendsten Girondisten sind umgefallen wie die Fliegen.

BONNE-JEANNE: Warum hast du mir es nicht schon gestern abend gesagt?

FOUCHÉ: Du hast schon geschlafen, mein Liebes. Und was tut es schon zur Sache, wie ich gestimmt habe? Der Kopf ist ab.

BONNE-JEANNE: Und das Vertrauen deiner Wähler? Meines Vaters?

FOUCHÉ: Zuerst muß ein Mann an seine Familie denken, mein Liebes. Heute schon beginnt eine nie da gewesene Hetzjagd auf die Royalisten und sonstigen Anhänger des Königs. In Scharen verlassen sie das Land aus Angst, aus Depression. Sollen sie gehen, dann regieren wir eben mit dem Rest weiter. Willst du Frankreich verlassen? Ins Exil gehen? Wäre es dir lieber, meinen Kopf unter der Guillotine zu sehen? Und was die Wähler betrifft, lies das.

BONNE-JEANNE: (liest) Die Verbrechen des Tyrannen sind sichtbar geworden und haben alle Herzen mit Empörung erfüllt. Wenn sein Kopf nicht unter dem Schwert fiele, dürften alle Räuber und Mörder und Landesverräter erhobenen Hauptes dahinziehen, und das furchtbarste Chaos würde uns bedrohen. Die Zeit ist für uns und gegen alle Könige.

FOUCHÉ: Das wirst du morgen in jeder Zeitung lesen können. Mit meiner Unterschrift. Die Zeiten ändern sich, und die Feigheit meiner lieben konservativen Wähler wird sie verstummen lassen. Ich kann von mit sogar mit Recht behaupten, daß ich Köpfe gerettet habe und unnötiges Blutvergießen vermieden wurde.

BONNE-JEANNE: Das ist Verrat.

FOUCHÉ: Ich nenne es Überleben. In der Politik ist Überleben die erste Pflicht seinen Wählern gegenüber. Erst dann kann man sich patriotische Torheiten leisten.

Etwas abseits steht Robespierre und beobachtet die Szene:

ROBESPIERRE: Ich sehe sehr wohl, wie du dich mit einem einzigen Satz ins Lager deiner ehemaligen Feinde hinüberrettest.

FOUCHÉ: Und wer die neue Zeit nicht begreifen will, wird es unter der Guillotine lernen. Das Blut der Freiheit wird die Schlachtfelder tränken, aber aus diesem Blut werden immer neue Armeen erstehen, bis die Fackel der Freiheit in jedem Land der Welt brennen wird.

BONNE-JEANNE: Schnell hast du dich in den blutrünstigen Jargon der Ultrajakobiner hineingeredet.

FOUCHÉ: Was blieb mir den übrig? Ich habe Familie.

BONNE-JEANNE: Soll ich dir danken? Du hast es innerhalb von vierundzwanzig Stunden geschafft, die Fahne deiner girondistischen Gesinnung wegzuwerfen und rauschend die der Jakobiner zu entrollen.

ROBESPIERRE: (immer noch abseits stehend und beobachtend) Du gehst nicht mit einer Idee, du gehst mit der Zeit und je schneller sie rennt, desto schneller wirst du ihr nachlaufen.

BONNE-JEANNE: Du verachtest die Menschen, deine Freunde stößt du ins Grab. Die öffentliche Meinung...

FOUCHÉ: ...ist eine Hure, die jeder nach seinem Geschmack vergewaltigen darf...