Friedrich Rex Superstar - ein apokalyptisches Fest

ein baROCK-Konzert mit Texten Friedrich II.

eine Produktion des event-theater-brandenburg e.V.

Trailer: www.youtube

PREMIERE

am 08. Juni 2012 im Theater Brandenburg (Grosses Haus)

www.event-theater.de

Komposition

Dmitri Pavlov

www.dmitri-pavlov.de

Regie

Sylvia Kuckhoff

mit

Marianne Ilonka Klaassen (Sopran), Ulf Dirk Mädler (Bariton), Birgitt Bondingbauer und Michael Seidel (Tanz), Hank Teufer (Schauspiel), Dmitri Pavlov (Cembalo/Keybords), Susanne Maria Pietrowski (Flöte), Ralf Tonnius (E-Gitarre), Tobias Kabiersch (Bass), Simon Pauli (Bass),Thomas Stewart Gehrke (Drums)

Bühne und Kostüme: Christine Jaschinsky
Choreographie: Iris Sputh

 

Ich durfte für diesen wirklich außergewöhnlichen Abend die Texte auswählen und zusammenstellen.

 

Preussenspiegel: Für König, Preußen und - die Bühne!

event-theater bringt Welturaufführung nach Brandenburg (hüb). Apokalypse - das bedeutet „Offenbarung“. Hank Teufers event-theater versprach, den 300. Geburtstag Friedrichs des Großen mit einem apokalyptischen Fest zu feiern. Die Frage war nun – war die Premiere seines Friedrich Rex Superstar am Großen Haus der Brandenburger Theater nun eine Offenbarung oder ein Offenbarungseid? Es ist wie so oft im Leben: schwarz-weiß beantworten lässt sich das nicht: Es hat von Ersterem sehr viel und auch vom Letzteren ein wenig. Die Idee war neu und sie war grandios - gar keine Diskussion! Nicht das Leben des Alten durchhecheln zum tausendsten Mal, nicht ein paar noch unentdeckte Facetten hervorkramen, kein Musical, kein Theaterstück - nein! Es ging um musikalisch-szenische Vorträge der Gedanken des Philosophen von Sanssouci, dargelegt in seinen Briefen, Essays und Gedichten. Gedanken wie die Freude über die Ankunft Voltaires, der Verdruss bei dessen Abreise. Die elegische Hymne auf Noel, seinen Koch, sein poetischer Kniefall vor der Barbarina, seine Fabeln, die Briefe an Fouquet, Auszüge aus den Tischgesprächen - all das, den Kennern seit hundert Jahren bekannt, dem Volke weitestgehend verborgen - offenbarte sich bei der Welturaufführung vor nicht ganz besetztem Hause einem interessierten Publikum in Deklamation, berückendem Tanz und überirdisch schönem Gesang. Doch, was die Mimen vortrugen, war den Zuhörern im weit von der Bühne entfernten Parkett nur schwer verständlich. Ebenso wie die abenteuerliche Kostümierung aus der Hand Christine Jaschinskys. Wer war den nun der Alte Fritz, so raunte es in der Pause durch die Reihen der Zuschauer: War es dieser hochgewachsene Don Juan de Austria mit einem Habit, der vermuten ließ, der Sieger von Lepanto sei just eben dem Escorial entsprungen? War es nicht vielleicht doch der göttliche Bariton Ulf-Dirk Mädler, dessen Stimme die herrlichen Fusion-Ohrwürmer aus der Feder Dmitris „des Großen“ Pawlows in die Seelen des Publikums sang? Immerhin trug Mädler einen blauen Mantel mit weiten, roten Kragenaufschlägen – das reminiszierte akzeptabel an die Preußische Armee. Sicher für die Königsrolle ausschließen ließen sich die begnadeten Tänzer Michael Seidel und seine allerliebste Partnerin Birgitt Bodingbauer. Warum nur soll der Begriff „Ausdruckstanz“ in der Versenkung verschwinden? Ist man nur turnusgemäß seiner überdrüssig geworden? Was Seidel und Bodingbauer mit ihrer formvollendeten Körpersprache zum Ausdruck brachten, das ging unter die Haut. Das war ganz große Bühne. Und die hätte auch nicht kleiner sein dürfen für eine holländische Nachtigall wie Marianne Ilonka Klaassen, deren glockenheller, tragender Sopran aus dem Feenreich herüberschallt. Diesem Mädchen traut man alles zu: Die Pamina, Don Giovannis Donna Anna, die Constanze aus dem Serail und die Rusalka... Wer Klaassen und Mädler im Duett erleben durfte, erträgt das Alltagsgekrächze aus dem Radio nicht mehr! Was also stimmte nicht mit der Offenbarung des Hank Teufer? An ihm, dem Gründgens vom Havelstrand, kann es nicht gelegen haben. Der Mann ist ein unwidersprochener Meister seines Metiers. Seien Mimik, seine Bühnenpräsenz - Teufer zählt zu den Granden der märkischen Schauspielkunst. Vermisst wurde der rote Faden, der unzweifelhaft das Stück durchzog, sich aber doch geschickt versteckte. Er prüfte jeden Zuschauer hart, wie gut er den Alten von Potsdam kenne. Beklagt wurde die schwere Textverständlichkeit, bejammert die exorbitante Kostümierung, die mit ihren Anklängen an die Commedia dell‘arte wenig Bezug zum Rokoko des preußischen Hofes gestattete. Nicht, das Mediterranes zu Rheinsberg und Potsdam nicht geschätzt worden wäre – zu verdauen aber hatte diesen kräftigen Toback ein Publikum des 21. Jahrhunderts - und für dieses geriet das gebotene Bild zum Rorschachtest für höheres Kunstverständnis. Des ungeachtet - wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet, liegen Interessensbekundungen aus Königsberg i. Pr., St. Petersburg und Moskau vor. Sollte das so stimmen, dann braucht es keines Kraken Paul, um das Ergebnis zu orakeln: Die Russen werden das Stück feiern, das den großen Bühnen dieser Welt durchaus gewachsen ist. Das wird dann endlich auch die Brandenburger Glocken zum Läuten bringen!Und man wird sich fluchend fragen: Warum nur bin ich damals nicht dabei gewesen!

© Preussenspiegel 13. Juni 2012